VON DER UNLUST EINE SONNE ZU SEIN

Sie kennen das Gefühl, wenn Vaterstolz und Kindervorstellung sich entsprechen? Ich nicht! Denn meine Idee eines glücklichen Kindes entspricht in den wenigsten Fällen denen von Mr. Big. Beispiel gefällig?

Es ist hinreichend bekannt, dass wir in Grengiols wieder mal die Sonne das Dorf runter gerollt haben. Mit einem Spektakel, bei dem das halbe Dorf auf theatralische Art und Weise mitmacht, wird die Sonne im November für sechs sonnenlose Grengjer Winterwochen verabschiedet. Natürlich sind auch die Einmaligste und Hausmann mit von der Partie und bereiten schon den eigenen Nachwuchs auf die kommenden, sonnenrollenden Aufgaben vor.

Erste Aufgabe für Mr. Big: Er soll ein Sonnenzicklein spielen! Szenario: Mr. Big hüllt sich ganz in Gelb und trägt auf dem Kopf eine Art Haube in Sonnenblumenform! „Herzig“, nach Ansicht von Hausmann und zugewandten Orten und ich sehe schon Bilder von Sohnemann durch die internationale Medienlandschaft ziehen… Wer jetzt denkt, dass Mr. Big diese Ansicht teilt ist aber sowas von falsch gewickelt. Bereits im Vorfeld hatte er angekündigt, dass sein Interesse eher dem Verkleiden als Ritter oder Pirat, in keinster Weise aber der Darstellung eines Zickleins in Sonnenblumenform gilt. „Papa, wenn ich das anziehe mache ich mich lächerlich und alle lachen mich aus!“ Punkt.

Nun, ich gebe nicht so schnell auf und halte die Meinung aufrecht, dass Herr Sohn den kulturellen Wert seiner ihm angedachten Rolle spätestens dann erkennen würde, wenn er der übrigen herzigen Zicklein im Sonnengewande ansichtig werden würde. Pustekuchen!

Denn anscheinend ist Hausmann unter lauter Sohnmüttern der einzige, der seinen Sohn zu diesem kulturellen Verschmelzen von Junge und Sonne verknurren möchte. Alle anderen Söhne glänzen nämlich an diesem Tag mit Abwesenheit und lauter kleine und nicht mehr sooo kleine Mädchen erscheinen in gelbem Gewande plus ebensolcher Haube.

Mr. Big ist auf der Stell entsetzt. Als ich ihm das Gewand überstreifen will, verschränkt er die Arme hinter seinem Rücken und macht immer dann einen Schritt rückwärts, wenn ich einen vorwärts mache… bis er an eine Mauer stösst. Als er merkt, dass ich von meinem Vorhaben der söhnischen Vermummung nicht abzubringen bin und die Mauer als natürliche Begrenzung seines Widerstandes erkenne, stimmt er ein Gezeter und Geheule an, das sonst nur ein Rudel Wölfe zustande bringen kann.

Nun, Hausmann ist geheulresistent! Worauf Mr. Big seine Taktik ändert und auf die Karte Verhandlung setzt: „Papa, ich kann das doch nicht anziehen.“ „Warum nicht?“ „Die anderen sind alles Mädchen und ich bin ein Junge.“ „Ja, Kleiner, das ist doch gerade das Witzige daran. Die jungen Damen werden dich als einzigen Jungen vergöttern. Sie werden dich mögen, ja sogar anhimmeln!“ „Was heisst das?“ „Das ist jetzt nicht so wichtig. Zieh endlich das Kleid und die Haube an! Das ist herzig!“ „Nein, ich will nicht herzig sein. Ich bin ein Junge und ein Junge ist böse und nicht herzig. Das sind nur die Mädchen!“

Ich erwischte mich kurz beim Gedanken, dass ich mir ab und an ein herziges Kind sprich Mädchen wünschen würde statt zweier Lausbuben… Aber mit Kindern ist es wie mit dem Gehirn: Man muss mit dem Material arbeiten, das vorhanden ist. „Zieh jetzt das Zeug an und hör mit dem Heulen auf!“ „Neiiiiiiin! Ich will kein Mädchen sein! Mädchen sind blöd! Und Mädchen stinken!“

Verdammt, ich hab doch gewusst, dass sich der Kindergarten negativ auf die Wahrnehmung von Mr. Big im zwischengeschlechtlichen Bereich auswirken wird. Zu spät! Mr. Big verliert schon fast die Hoffnung und ist kurz vor dem Aufgeben, als er den Zweihänder auspackt: „Papa, warum trägst du einen Hut und einen Umhang?“ „Weil ich einen Raporteur spiele!“ „Und warum bis du nicht eine Sonnengeiss mit Maske und gelbem Kleid!“ „Weil das nur Frauen machen!“ Hoppla, die Falle schnappt schon zu… „Siehts du Papa! Und ich mache nur Sachen, die Jungs machen und nicht Mädchen!“

Der langen Rede kurzer Sinn: Hausmann war er- und gab sich geschlagen… und sogar ein wenig stolz. Aber verraten Sie das nicht Mr. Big!

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