DIE REDE TIPP 3: REDEN OHNE WORTE

„Gang und Haltung verraten mehr als das Gesicht.“ Alec Guinnes, Schauspieler

Eine Untersuchung aus dem Jahre 1967 an der Universität von Kalifornien in LA besagt, dass 7% der Kommunikation verbal abläuft, 38% stimmlich und 55% per Mimik und Gestik. Ob nun dieses Verhältnis tatsächlich stimmt, darüber gehen mittlerweile die Meinungen auch in der Wissenschaft weit auseinander. Doch wie hoch der Anteil auch immer ist: Aussehen, Stimmlage, Körpersprache, Gesichtsausdruck, „Tics“ u.a.m. beeinflussen das Gegenüber in höherem Masse, als man sich dies meistens bewusst ist. Es ist wie in der Musik: Je nachdem, welche Instrumente oder Stimmen zum Einsatz kommen, wird aus Noten ein Meisterwerk oder eine simple Melodie. Ihre Instrumente sind Tonfall, Gestik, Mimik und Körperhaltung. Lernen Sie, damit zu spielen.

Die Art und Weise, wie Sie ein Podium betreten, kann die Zuhörer positiv aber auch negativ beeinflussen. Achten Sie auf Ihre Körperhaltung! Wenn Sie einen Raum betreten, tun Sie es mit Selbstsicherheit und einem normalen, raumgreifenden Schritt. Aber bitte nicht mit sportlichem Elan aufs Podium springen! Wenn Sie Ihren Standort erreicht haben, stellen Sie sich weder zu schmal (Zeichen von Unsicherheit) noch zu breitbeinig hin (Dominanzstreben). Stehen Sie aufrecht und locker, gehen Sie ruhig mal ein Stück vor, um ein Argument zu unterstreichen. Fangen Sie nicht mit zu lauter Stimme an zu reden. Wählen Sie einen Ton, wie wenn Sie mit dem Gegenüber an Ihrem Küchentisch sitzen würden. Ist ein Mikrophon im Spiel, testen Sie dieses, bevor der Raum voller Leute ist. Reinpusten oder mit dem Finger antippen ist nur ein Anzeichen von Unsicherheit und schlechter Vorbereitung. Das selbe gilt für andere technische Hilfsmittel wie Laptop, Beamer, Hellraumprojektor (gibt es den eigentlich noch?), Flipchart oder einen ganz normalen Filzstift.

Uno: Halten Sie die Hände im Zaum

Beschäftigen Sie ihre Hände mit dem Halten von einem Mikrofon oder ihren kleinen Notizzetteln. Dann verraten diese weniger über Ihr Inneres. Denn wenn ein Gespräch nicht den gewünschten Verlauf nimmt, reagiert unser Unterbewusstsein mit ausweichenden und abwehrenden Haltungen.

Augen suchen: Suchen Sie während eines Gesprächs immer den Augenkontakt – und zwar sowohl, wenn Sie selbst sprechen, als auch wenn Ihr Gesprächspartner etwas sagt. (Zeichen für Sicherheit und Aufmerksamkeit). Lassen Sie Ihren Blick immer wieder von links nach rechts über das Publikum schweifen oder wählen Sie eine Person in der Mitte des Publikums, zu der Sie sprechen wollen. Ich stelle mir immer vor, dass eine interessante Person im Publikum von rechts nach links und wieder zurückgeht, der meine Blicke immer wieder folgen.

Hände weg vom eigenen Kopf: Vermeiden Sie es, sich während des Sprechens an die Nase, an den Mund oder ans Kinn zu fassen! Dies sind Anzeichen für Verlegenheit. Außerdem erwecken Sie damit unterschwellig den Eindruck „Ich bin ertappt“. Greifen Sie sich niemals ans Ohr, wenn Ihr Gesprächspartner etwas Unangenehmes sagt. Psychologen und Verhaltensforscher deuten den Griff ans Ohrläppchen als Bestrafungsgeste – Sie zeigen, dass Sie dem anderen diese Aussage übel nehmen.

Andererseits können solche Gesten auch gezielt eingesetzt werden, um das Unterbewusstsein des Gegenübers zu täuschen oder zu reizen. Aber Achtung: Hier kommt Können vor Tun!

Hände vor der Brust ist ein Anzeichen für Unsicherheit: Falten Sie die Hände nicht vor der Brust. Dies ist ein Anzeichen für Verkrampfung und Unsicherheit. Krallen Sie Ihre Hände nicht in die Stuhllehnen, wenden Sie sich Ihrem Gesprächspartner zu, allerdings ohne ihm zu nahe zu kommen (Mindestabstand 50-80cm).

Due: Freundlichkeit

Was auch immer passiert, behalten Sie einen freundlichen Gesichtsausdruck bei. Achten Sie darauf, dass Sie auch unangenehme oder kritische Äusserungen des Publikums nicht mit Stirnrunzeln, Lippen zusammenpressen, Kopfschütteln oder Mundwinkel verziehen begleiten. Selbst wenn Sie dem Publikum etwas Unangenehmes mitteilen müssen, sollten Sie ein freundliches Gesicht beibehalten. Wenn jemand etwas sagt, gehen Sie der Person langsam entgegen und lächeln Sie in sich hinein. Mit dem Kopf nicken als Zeichen, dass Sie das Gegenüber verstehen, ist ab und an angebracht. Und vor allem: Fallen Sie den Gegenüber nichts ins Wort und lassen Sie sich Zeit mit der Antwort. Damit verhindern Sie, dass Sie auf Angriffe zu heftig und auf Lob zu selbstsicher reagieren. Werden Sie gelobt, dann bitte keine abwehrenden Kommentare sondern einfach „Danke, das Kompliment nehme ich gerne an!“

Tre: Keine Tics!

Tics (die Rede ist nicht von medizinisch relevanten Tics sondern von sich wiederholenden Eigenarten) nerven nicht nur, Sie lenken vom Inhalt der Rede ab und lassen Zweifel an der Kompetenz aufkommen. Ständige „Jas“ und „Hms“ und „Oders“ oder auch immer dieselbe Handbewegung hat jeder schon beim anderen festgestellt. Jeder hat aber selber Tics, derer er sich meistens nicht bewusst ist. Zudem: Nervosität und Stress fördern solche Tics. Testen Sie daher die Rede vor einer Person oder mehreren, denen Sie vertrauen und die Ihnen auf jeden Fall die Wahrheit sagen. Ticks lassen sich wegtrainieren, wenn man sich deren bewusst ist. Beispiel: Ich habe Fälle erlebt, in denen Redner bis zu 15 Mal pro Minute (alle vier Sekunden!!!) ein bestimmtes Wort, meist bedeutungslose Füllwörter, wiederholt haben, ohne sich dessen bewusst zu sein. Darauf angesprochen war die Haltung ungläubig bis ablehnend und erst der Audiobeweis lies die Personen aufhorchen.

Meine Tics, an denen ich immer wieder arbeite, sind „Mmms“ vor allem im Zusammenhang mit Fragen, die ich stelle, heftiges Gestikulieren mit einem oder gar mit beiden Armen und mein hochgehaltener Zeigefinger der rechten Hand tritt des Öfteren besserwisserisch in Erscheinung.

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