JUHUI, AUSGANG…

Neulich hatte ich frei! Also, eigentlich war ich auswärts auf Arbeit. Aber das ist ja für Hausmann Freizeit. Auswärts heisst, dass ich den eigenen Kosmos Wallis verliess und mich auf den waghalsigen Weg jenseits des Lötschbergs machte. Die terra incognita lockte und ohne Kiddies und einmaligste Ehefrau im Nacken machte sich sowas wie ein verdrängtes Urgefühl männlicher Unabhängigkeit breit.

Bis ich nach Basel kam! Denn natürlich war der kleine Walliser Bergbub in mir schwer beeindruckt ob der Menge an Fremdartigem, das da jenseits der mir bekannten runden Scheibe mit Namen Wallis auf mich einstürmte. Vor allem sprachlich wars eine echte Herausforderung. Jetzt nicht für mich, sondern eher für die mir über den Weg laufenden Baslerinnen und Basler…

Schauen wir genauer hin! Da ist zuerst mal der neuste Basler Stolz, die fast 500 Meter lange, nigelnagelneue Ausstellungshalle der Messe Basel. Aber ehrlich gesagt ist es Herzog & De Meuron jetzt nicht so toll gelungen, den 21 Kilometer langen Aletschgletscher zu kopieren!

Aber dann ein Kaffee im 30. Stockwerk des Messeturms. Weit schweift der Blick, der Sonnenuntergang weckt romantische Erinnerungen, der Blick in die Tiefe fördert die Gänsehaut… Der Bergbub ist sich ja nur gewohnt, die Beine bei einem Schluck Kräutertee über die Westwand des Weisshorns auf 4500 Metern über Meer baumeln zu lassen, unter sich nicht ein Häuser- sondern bloss ein Nebelmeer… ohne Sicherheitsglas und folgendem Abstieg im Turbolift!

Da sind die beeindruckend wilden Tiere im Basler Zolli. Bei uns streifen Raubkatzen ja noch frei durch den Wald und Herr Wolf trinkt aus meinem Gartenteich. Und die Affen haben’s bei uns noch nicht hinter Gitter geschafft sondern werden noch in Anzüge gepackt und unter dem Titel „sinnvolle Integration“  ins Parlament geschickt… Ups!

Tief beeindruckt hat mich auch die Gastrotour auf der Suche nach neuen Trends in der Beizenwelt. Zusammengefasst: Auch Basler trinken gerne etwas Stärkeres als gechlortes Rheinwasser; die Steaks werden bei 800 Grad gebraten (oder verdampft?); eine Frau in Wildlederstiefeln (!) und einem Körper, wo man jetzt nicht genau feststellen konnte, wo das Kleid anfängt und die Tatoos aufhören, lobte die Vorzüge der veganen Küche; ein Barbetreiber verriet die wichtige Erkenntnis, dass 36 mögliche Gäste mehr trinken als nur einer (hatten wohl noch keinen Walliser Gast); das neue alte Volkshaus bietet auch Bergläufe an (so fühlte sich zumindest die rasante Besichtigung an); und fertig gemacht hat mich die Erkenntnis, dass es in einer Bar mit namen Aqua (Wasser) Wasser nur in Form von Gebranntem gab.

Zudem habe ich nette Leute getroffen: Der Busfahrer, der so erpicht darauf war, mich mitzunehmen, dass er mich mit seiner Windschutzscheibe küsste; der Tramfahrer mit Herz für die hausmännische Fitness, der die Türen so rasch schloss, dass es nur mein Gipfeli, das ich in der ausgestreckten Hand hielt, ins Tram schaffte; der Kleinkriminelle, der mein Handy so bewunderte und bloss vergass, es zurückzugeben; der Kellner, der meinen grossen Durst ahnte und mir das Mineralwasser gleich selber in den Mund goss; die Dame mit Zweidrittelburka, die vor Freude schrie (seit wann hat Zalando auch Burkas im Angebot?), als ich ihr mit meinem Sackmesser etwas mehr Luft verschaffen wollte.

Nur etwas hat mich zwischenmenschlich irritiert: Wo, bitte sehr, wo verrichten Basler ihr kleines Geschäft? Denn als ich einen jungen Mann mit lauter Metallhaken und -ringen im Gesicht, offenbar musste es medizinische Gründe für die Verdrahtung seines Gesichts geben, fragte, wo denn in der Nähe des Barfüsserplatzes eine öffentliche Toilette wäre, streckte dieser mir den Mittelfinger ins Gesicht und zeigte damit nach oben. Ich folgte dem Fingerzeig, konnte aber dort oben beim besten Willen kein Klo sehen…

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