ICH HAB VERSAGT

Haben Sie sich schon gewundert, dass in letzter Zeit wenig von Mr. Little die Rede war? Da liegen sie richtig. Denn Herr Hausmann hat ein schlechtes Gewissen. Dieses hat aber im neuen Jahr nix verloren. Was nun folgt ist das Eingeständnis vom Versagen erster Güte auf den letzen Endjahresdrücker. Quasi der hausmännische Supergau. Also dann:

Was habe ich an dieser Stelle schon mit der Vielfalt des kulinarischen Interesses von Mr. Big geprahlt. Salatteller in der Migros mit neidischen Mütterblicken, in Ohnmacht fallende Omis angesichts der Gemüseaffinität meines Erstgeborenen… und natürlich war dies alles Hausmanns Vorbild und weiser, kulinarischer Erziehung zu danken. Pustekuchen!

Denn Mr. Little, dem die selbe Ehre in Sachen Food-Erziehung zu Teil wurde und wird, ist von grüner Kost so sehr begeistert wie ein Kaninchen von gestopfter Entenleber oder ein Tiger von gedämpftem Broccoli. Grünkost ist für Mr. Little ein Feindbild wie Greenpeace für russische Öl-Oligarchen oder Blocher für linksgrüne Körnlipicker. Kurz gesagt: Er hält von Salat & Co. in etwa gleich viel wie vom aufs Töpfchen gehen: Assolutamente nada! Oder wie der Bayer sagt: Goar nix!

Winkt vom Teller ein bunter Farbenmix ausserhalb des Farbspektrums von Tomatensauce und Chickennuggets, fühle ich mich ob dem Geheule gleich wie die Bevölkerung Londons im zweiten Weltkrieg bei Bombenalarm: Ich möchte am liebsten in den Keller flüchten. Insistiert Hausmann bezüglich Vitaminkonsum in Form von Gemüse, reagiert Mr. Little wie ein mexikanischer Drogenbaron auf Polizeieinsätze: mit roher Gewalt. Liebevoll geschnittene Möhrchen enden als Wanddekoration, kunstvoll tournierte Zucchini dienen als Katapultmunition, in Nussbutter geschwenkter Broccoli verzieht sich vor Schreck, geköpft zu werden, in die hinterste Küchenecke.

Während sich Mr. Big das Grünfutter genüsslich in den Mund schiebt, vorzugsweise von Hand, ist es für Mr. Little nicht viel mehr als ungeliebter Sonderabfall, der schleunigst entsorgt gehört. Da der junge Herr die Hartnäckigkeit von Hausmann kennen gelernt hat, wird das Gemüse derart radikal entsorgt, dass an ein Weiterverwenden als Vitaminzuführung nicht mehr gedacht werden kann.

Während bis vor ein paar Wochen der Trick noch funktioniert hat, Gemüse mit beliebter Nahrung wie Spaghetti oder Hörnli zu mixen oder als Sauce getarnt auf die Teller zu bringen, findet neuerdings auch diese Variante ein jähes Ende, wenn Mr. Big’s Zunge damit in Berührung kommt. Das Resultat ist ein Gemüsebreiweitspuckwettbewerb olympischen Ausmasses. Die darauffolgende, hausmännische Putzaktion hätte übrigens auch olympisches Edelmetall verdient.

Gemüse in Form eines lustigen Gesichts auf den Teller zu bringen, hat einzig zur Folge gehabt, dass die Zucchiniaugen lustvoll per Gabel ausgestochen und die Salathaare per Löffelhaue frisiert wurden. Einzig Karotten bestehen den strengen Foodcheck von Mr. Little und ab und an ein Stückchen rote Beete.

Ganz schlimm enden Drohungen in der Form von: „Es gibt kein Dessert“ oder „Fernsehen kannst du heute vergessen“ oder „Schoggi ist für heute gestrichen“ bei Verzicht auf Gemüsekonsum. Dann verschränkt der Herr die Arme, setzt den bösen Blick auf, wirft sich im Stuhl nach hinten und befördert die umstrittenen, farbenfrohen Köstlichkeiten per Fusskick quer durch die Küche – inklusive Teller und umstehender Gläser oder Flaschen… olympisches Geputze folgt. Dass dann natürlich gar nix mehr gegessen wird, versteht sich von selber.

Sollten Sie mich also in derber Verzweiflung vor dem Gemüseregal im Supermarkt stehen sehen, hat das nichts mit der auch bevorstehenden Abmagerungskur im Januar zu tun. Vielmehr mutieren Grünkohl, Sellerie und Co zu Kriegern, die mein Jüngster ohne Erbarmen gegen mich ins Feld führt und mich bis in die Träume hinein verfolgen und mir hinterherrufen: „Du hast versagt…….hähähähähäääääää“

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