ICH BIN DER KÖNIG DER WELT

Ich zittere. Die enorme Anspannung lässt nach. Freude bemächtigt sich meiner hausmännischen Lachmuskeln. Ganz langsam trocknet der Schweiss, der sich in den letzten Minuten entlang meines Rückgrades gesammelt hat. Stolz spricht aus meiner Haltung. Allmählich setze ich zu einem inneren Höhenflug an. Ein Gefühl von Unbesiegbarkeit macht sich breit. Die verdrängte Sehnsucht nach Freiheit und Abenteuer bahnt sich ihren Weg und wird nicht enttäuscht.

Yeah, ich bin Marlboro Man. James Dean wirkt in seiner Lederjacke und mit Fetttolle geradezu lächerlich im Vergleich zu mir. Schlagzeilen wie „Steck klettert auf Achttausender im Rekordtempo“ verkümmern ob meinem Erfolg. James Blunt ist im Vergleich zu mir so sexy wie eine Kuh auf dem Snowboard.

Ich bin der Ringträger. Ich bin der James Kirk der Hausmannszene. Ich bin James Bond mit der Lizenz zum tödlich präzisen Stich. Ich bin Rambo nach erfüllter Mission. Schwarzeneggers Oberarm zu besten Zeiten entlockt mir ein müdes Gähnen. Selbst John Wayne müsste sich vor mir verbeugen. Und wer ist eigentlich dieser Strumpfhosen tragende Superman?

Ich bin der Vettel der häuslichen Boliden. Usain Bolts Siegespose ist ein Dreck im Vergleich zu meinem Gefühl. Cuches Oberschenkel verblassen angesichts meiner Fingerfertigkeit. Mohammed Ali würde ob meiner Brillanz verstummen. Armstrong nützt auch Anabolika nichts mehr.

Ich bin der Obama des Haushalts. Der Ueli Maurer der Damenwäsche. Der Sarkozy des guten Geschmacks. Die Merkel der Puderdose. Der Berlus… nein so gut denn doch nicht…

Mit mir am Steuer wäre die Titanic nicht gesunken. Die Costa Concorida hätte sich ehrfürchtig von alleine wieder aufgerichtet. Apollo 13 wäre sicher auf dem Mond gelandet.

Picassos Pinselstriche verblassen. Van Goghs Sonnenblumen verwelken. Die dicken Frauen auf Boteros Bildern werden magersüchtig. Michelangelos David verkommt zu einem müden Abbild von veralteter Männlichkeit.

Lagerfeld holt sich bei mir Inspiration. Dolce und Gabbana haben schon aufgegeben. Yves Saint Laurent streicht die Segel. Jean Paul Gaultier geht die Phantasie aus.

Claudia hat schon angerufen. Naomi hat mir ihre Masse gemailt. Die Klum steht mir ihren Girls vor der Haustür. Die nächsten Miss Schweiz Wahlen finden in meiner Küche statt.

Ich fühle mich, als könnte ich über Wasser laufen. In 2000 Jahren wird die Bibel meinen Namen tragen…

Sie wundern sich? Dann staunen Sie: Denn ich habe soeben den Pedalfussdruck optimiert, die Stichplatte bezwungen, den Spuhlenstopper dominiert, den Anschiebetisch gekonnt gemeistert, den Lüfterhebel Eleganz gelehrt, den Unterfaden unterjocht und die Fadenspannung perfektioniert.

Mein Gegner: Nähmaschine Singer 5511. Meine Mission: Den neuen Duschvorhang säumen. Sie ahnen es schon: Ich habe es mit Bravour und Fantasie (die einmaligste Ehefrau nennt es schnöde „Kurven“) geschafft, meine erste maschinelle Naht zu nähen! Das letzte weibliche Refugium ist gefallen. Jetzt muss ich nur noch die Tage kriegen oder schwanger werden und die Unsterblichkeit ist mir sicher. Yeah, ich bin der König der Welt!!

Jetzt hat die Maschine soeben meinen Fingernagel an die Fingerkuppe genäht. Aua! Schatz, kannst du mir helfen?

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