BAHNHOF ODER WAS?

Was geniesse ich Gespräche mit der einmaligsten Ehefrau! Tiefschürfend, ausdauernd, vertrauend… Nur ein kleines Problem ergibt sich: Ich verstehe ab und an nur Bahnhof. Das liegt auch daran, dass die Einmaligste neuerdings für die Schweizerischen Bundesbahnen SBB arbeitet. Aber nicht nur, oder eigentlich nur am Rande. Die wahren Gründe liegen tiefer und lassen sich kaum erklären aber vielleicht anhand eines Gesprächsprotokolls beschreiben. Nun denn:

Ich: Hallo Schatz, wie geht’s und wie war der Tag?

Sie: Wie soll’s mir gehen? Bin ja schon am Morgen mit Kopfschmerzen aus dem Haus und der Tag war lang..

Ich: Aha?

…Glaubst du mir nicht?

…Natürlich glaube ich dir, Schatz.

Sie im Bad, macht sich frisch, Herr Hausmann kocht und staucht ab und an die Kiddies zusammen, wenn sie die Küche mit einem Handgranatenwurfversuchsgelände verwechseln.

Sie im Bad: Das war … eute eine gr… komische Sache. Event… wäre… hast du… ist verdammt schlecht… und hast du… haben keine Ahnung… gehe auch… vielleicht lustig… was denkst du?

Ich: Was meinst du, ich verstehe dich nicht gut, wenn die Kinder Muezzin spielen, der Dampfabzug läuft und es in den Töpfen brodelt.

…Was hast du gesagt? Sprich lauter!

…(laut) Ich habe gesagt, dass ich dich nicht verstanden habe!

…(sie jetzt plötzlich hinter mir) Was schreist du denn so. Ich bin doch nicht deine 80jährige Mutter. Ich höre gut.

…Aha!

…Was Aha?

…Nix, nur so dahergesagt.

Sie nach kurzer Pause:

…Was hältst du davon?

…Wovon?

…Ach Schatz, du hörst nie richtig zu! Ich hab dir doch vorher erklärt, um was es geht.

…Ich hab dich leider nicht verstanden, weil es hier drin so laut war.

…Ja, jaaa…

…Was ja, jaaa?

…Nur so!

…Nur so gibt es nicht. Du immer mit deinen Zwischentönen.

Hausmann knallt eine Pfanne auf den nigelnagelneuen Induktionsherd. Glas noch ganz. Schwein gehabt!

Sie: Was ist denn los, bist du genervt? Wie war dein Tag?

…Wie immer. Kindergeschrei, hoffnungslose Erziehungsversuche, Haushalt, Kindergartentransport und zwischendurch noch ein paar Texte verbrochen, die vermutlich gar nicht so…

…Also ich hatte einen Scheisstag. Kopfweh, mords Lärm im Büro, konnte mich nicht konzentrieren und dann erst noch die interne Kontrolle! Aber weisst du was: Ich hatte keinen einzigen Fehler. Ich hab vor Freude getanzt. Aber nicht lange,wegen dem Kopfweh.

…Schön, Schatz!

…Dass ich Kopfweh habe?

…Nein, das mit der Kontrolle!

…Du findest es schön, dass ich kontrolliert werde?

…Du hörst nicht richtig zu! Es ist schön, dass du keine Fehler hattest.

…Ja, jaaa!

Mr. Little entscheidet sich, Gabel und Messer als Trommelstöcke und den Teller als Trommel zu missbrauchen. Die Einmaligste verdreht die Augen und stöhnt etwas von „Kopfschmerzen“ vor sich hin. Ich nehme ihm die Utensilien nicht eben sanft aus den Händen und mach ihm sein Fehlverhalten in deutlichen Worten klar.

Sie: Jetzt schrei doch nicht rum! Das arme Kind. Komme her zu Mama, Papa ist böse mit dir…

Ich: Hast du jetzt Kopfweh oder nicht? Ich wollte ihm nur klar machen, dass er ruhiger zu sein hat und es auch andere Spiele gibt als Haudentellerkaputt! Das war jetzt das fünftausendste Mal heute…

…Deshalb brauchst du doch nicht gleich laut zu werden, armer Kleiner.

…Typisch, ich sag Mr. Little, dass er Scheisse baut und du nimmst ihn auch noch in Schutz. Super Aufteilung, die wir da in Sachen Erziehung haben. Ich bin dann immer der Böse und du die Retterin…

Die Glaskeramikplatte hat bereits zum zweiten Mal Glück, dass sie einen Topfangriff überlebt. Hmmmm, ist das wirklich Glas oder irgend ein ausserirdisches Verbundmaterial? Wir essen.

Ich: Diese Woche darf ich die Gesangsprobe am Dienstag nicht vergessen.

Sie: Ich fahre doch am Dienstag mit den Arbeitskolleginnen nach Domo.

…Und woher weiss ich das?

…Hab ich dir doch vorher erzählt. Aber du hörst ja nicht zu.

…Vorher im Bad? Hab ich nicht gesagt, dass ich nichts verstanden habe? Zudem weisst du doch, dass ich am Dienstag Probe habe?

…Woher denn, du weisst es ja selber meistens nicht.

Eigentlich schmeckt mir mein Abendessen nicht mehr. Weil ich mich ein wenig nerve. Die einmaligste Ehefrau scheint auch nur lustlos im Teller rumzustochern. Mr. Little startet soeben einen Luftangriff auf Mr. Big: Sein Löffel ist die Kanone, als Munition dient die Suppeneinlage.

Ich: Hergottdonnerundorianumal! Gäänd mer de hie hitte alli uf de Sack?

…Jetzt beruhige dich doch…

Ich bin ruhig. Einmaligste auch. Kinder schauen Sandmännchen. Auch ruhig. Abwasch.

Sie: Ist das also gut mit Mittwoch? Ich glaub so gegen 23 Uhr sind wir zurück.

Ich: Was Mittwoch, du hast doch gesagt Dienstag? Was jetzt?

…Dienstag? Da hast du doch immer Probe. Dass du das ständig vergisst?

…Ahhhhhhhhh

Das ist der Moment, wo ich mich nur noch auf den Abwasch konzentriere und froh bin, dass ich keinen Geschirrspüler wollte. Zwei Gedanken beschäftigen mich dann: Erstens: Warum kann ich als Kommunikationsprofi diesen Redefallen nicht besser entgehen? Zweitens: Eckhardt von Hirschhausen! Der hat nämlich gesagt, dass die meisten Streitereien in der Ehe von der derart lächerlichen Sorte sind, dass man lachen muss, wenn man das Ganze als Unbeteiligter von aussen betrachtet.

Jetzt beim Lesen muss ich lachen. Aber es hat eine Woche gedauert! Erkennen Sie sich auch wieder?

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