AUTO WEG, BAUCH BLEIBT!

Wer sagt’s denn? Mitte September 2016 habe ich mein Auto dem Schrottplatz anvertraut, ohne mir eine neue Blechbüchse zuzulegen. Seither gilt: Laufen, Zug fahren, Geld sparen! Nur der Bauch bleibt hartnäckig.

 

Was wurde mir von Bekannten, Mitdörflerinnen und Mitdörflern der „Vogel“ gezeigt: „In drei Wochen hast du wieder die eigene Kare!“ „Das Laufen wird dir rasch vergehen!“ „Du bist doch immer unterwegs, was ohne Auto gar nicht geht!“ „Jetzt hör mal auf, du Umweltfuzzi!“ „Dr Schön spinnt scho wider!“ „Jetz isch me appa ds Gäld üsgange, dm Nirri!“

 

Diese und und noch viele andere Meinungen wurden mir direkt oder per Buschtrommel zugetragen. Auch meine Kids drohten ab und an mit Streik. Denn schliesslich würden ihre Kollegen auch von A nach B chauffiert und müssten nicht zum Bahnhof laufen. Das würde ihnen selbstverständlich auch zustehen. Mit anderen Worten: Sie drohten ungeschminkt mit der Empfindung sozialen Abstiegs! Meine Frau und ich blieben aber hart – und haben es bisher nicht bereut.

 

Die „harten“ Fakten:

  • Gaben wir als Familie mit Auto-Vollkostenrechnung rund 1100.- Franken pro Monat für das Gefahre in der eigenen Motorkutsche aus, kommen wir jetzt mit gelegentlichem Taxi, Mobility und E-Golf-Miete auf durchschnittlich 250.- Franken Fahrzeugkosten pro Monat. Ersparnis pro Monat: 850.- Franken oder 10’200 Franken pro Jahr!
  • Seit die wöchentlichen Grosseinkäufe in den Shoppingcentern wegfallen, bei denen 1/3 der Einkäufe ungeplant und daher meist unnötig sind, bleiben auch vom Haushaltsbudget rund 20 Prozent übrig, trotz etwas höherer Preise im Dorfladen.
  • Unter dem Strich resultiert ein Plus von rund 1’050.- Franken pro Monat oder satten 12’600.- Franken pro Jahr.

 

Die „weichen“ und ehrlich gesagt viel wichtigeren Fakten:

  • Das Leben ist weniger stressig! Auf Anrufe von Kunden oder anderen Leuten reagiert man nicht mehr mit „Ich bin gleich da!“. Man löst das Problem am Telefon oder verschiebt es auf die nächste, geplante Sitzung. Resultat: Mehr Zeit!
  • Statt beim Grossverteiler holt man das, was nötig ist, im Dorfladen und unterstützt diese wichtige Institution, die jeden Franken nötig hat.
  • Man läuft definitiv mehr oder nimmt das Velo. Denn die schnelle Abholaktion an Bahnhof oder am Arbeitsplatz entfällt.
  • Die Gefahr und der Stress, die unweigerlich mit dem Strassenverkehr verbunden sind, entfallen zu grossen Teilen.
  • GA’s hatten wir schon vorher, jetzt leisten wir uns angesichts der wegfallenden Autokosten eben vermehrt 1. Klasse.
  • Es steht definitiv mehr Budget für Urlaub, Ausflüge und für gutes Essen zur Verfügung – alles Dinge, die man herrlich als Familie geniessen kann.
  • Mietet man ein Auto, wird einem jedes Mal aufs Neue vor Augen geführt, was für ein teurer Luxus Auto fahren eigentlich ist und geniesst den Komfort gleich doppelt.

 

Alles in allem ist das Projekt „NoCar“ für uns als Familie als Erfolg zu werten. Nur mein Bauch hat von der autofreien Zeit noch gar nichts mitbekommen. Vielleicht ist sein gelegentliches Wachstum aber auch nur der stille Hinweis, dass zu mehr laufen auch weniger essen und trinken gehört. Aber auf alles muss man ja nicht verzichten, oder?

 

 

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