HOPPLA, ICH BIN NICHT SEXY

Männer mit Karriere sind sexy! Frauen mit Karriere sind sozusagen sexernüchternd! Sie halten mich jetzt für einen üblen Macho alter Sorte? Aber wo denken Sie hin? Obgenannter geistiger Erguss in etwas zugespitzter Variante stammt von Weltwoche Herausgeber und Chefredaktor Roger Köppel, also von einem mit Karriere. Er muss es schliesslich wissen!

Ich hingegen bin nur Hausmann und von daher aus Sicht Köppels kein Karrieremensch, ergo nicht sexy, daher auch nicht reproduktionsfähig und schon gar nicht reproduktionswürdig. Denn wer wird sich schon mit einem karrierelosen, windelwechselnden, wcputzenden und klatschheftlilesenden Weichei von Mann paaren? Ich verstosse quasi gegen ein Naturgesetz, das Frau kleine Füsse zwecks Abstandsoptimierung zu Herd und Bügeleisen gegeben und Mann mit grosser Klappe zwecks sich die Karriereleiter hochschnorren ausgerüstet hat.

Umgekehrt ist die einmaligste Ehefrau ein Wesen wider die Natur, das gegen das konfuzianische Weltbild verstösst, in dem es nur dann eine Weltordnung geben kann, wenn alles seinen Platz hat und diesen auch behält und wacker ausfüllt. Sozusagen ist meine mir einmaligst Angetraute eine Unlaune der Natur, die ihre kurzen Füsse (Gr. 41!) mit künstlich verlängerten Krallen an den Fingern auszugleichen versucht und ihre Körperenergien widernatürlich zum Emporsteigen auf der Karriereleiter statt zum Beglücken des Geehelichten verwendet.

Und was, bitte sehr, krächzt im Moment so himmelschreiend hinter meinem Rücken? Und was für ein Wesen flüchtet aus Furcht vor väterlicher Vergeltung nach verübter Untat am jüngeren Bruder laut rumsend unter das Kinderbett? Es muss wohl eine Sinnestäuschung sein, dass zwei Beweise sexueller Aktivität pervers und widernatürlich ausgerichteter Wesen (Hausmann und Karrierefrau) soeben Hausmanns Aufmerksamkeit erheischen oder vermeiden wollen.

Denn laut köppel’scher Weltansicht kann sich wohl kein vernünftiger Weltenbürger einen Reim darauf machen, dass Mann seine natürliche, geistige Überlegenheit vor den Herd stellt und Frau ihren von der Evolution geförderten, wolllüstigen Körperbau die Karriereleiter hochwuchtet. Denn wer möchte schon freiwillig auf Sex verzichten (machen ja nicht einmal Priester) und noch wichtiger: Wer möchte in einer Zeit, wo Sexy-Sein gleich hinter Bonushöhe und Handybildschirmgrösse thront, schon unsexy sein?

Übrigens, Herr Köppel, eine positive Folge hat dieses Weltbild: Denn der Mär, dass es nur Frauen in die Chefetagen schaffen, die der Wolllüstigkeit der männlichen Vorgesetzten Tür und Beine öffnen, ist damit jeglicher Nährboden entzogen. Denn Frauen auf der Karriereleiter sind ja in Ihrem Weltbild nicht sexy und daher weit unter der Würde der Chefetagenmännlichkeit.

Andererseits wird dadurch auch klar, weshalb es eben nur wenige Frauen in die Chefetagen schaffen. Die Chefs erliegen zwar durchaus dem einen oder anderen weiblichen Reiz. Aus purer Nächstenliebe verzichten sie aber darauf, die Damen die Leiter hochzubumsen. Denn dann würden diese ja gewaltig an Sexiness einbüssen und damit nicht mehr von Interesse sein für die Chefetagenmännlichkeit.

Allerdings stelle ich mir schon die Frage, woher Roger Köppel die eingangs erwähnte Erkenntnis hat? Es gibt drei Möglichkeiten: 1. Er ist ein guter Beobachter seiner Umgebung. 2. Er bekommt als sexy Karrieremann andauernd unmoralische Angebote. 3. Aus eigener Erfahrung weiss er, dass es nicht lohnt, sich bei der Chefin anzubiedern, weil diese so unsexy ist.

Ersteres könnte ihm positiv als journalistische Leistung ausgelegt werden, negativ allerdings als übler Schlüssellochvoyeurismus. Über Zweiteres schweigt des Sängers Höflichkeit. Dritteres hingegen erklärt den Umstand, dass er Herausgeber einer Zeitung ist, die ihm selber gehört. Es könnte ihm also genügen, das Bett mit sich alleine zu teilen… und Roger ist ja laut eigener Aussage als Mann mit Karriere sowas von sexy… Ein Schelm, der Böses dabei denkt!

PS: Trotzdem mag ich die Weltwoche wegen dem etwas anderen Blick auf die Dinge…

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